Rechtsanwaltskanzlei

Dr. jur. Peter-René Gülpen

          

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  Presse- und Medienberichte


 

 

 

Quelle:  Kölner Rundschau (27.07.2006)


 

"Lebenslang" für Hxxxxxx gefordert

VON J. MÜLLER-BEUERMANN, 01.08.06

Wegen Raubmordes an einer 8O-jährigen Hellenthalerin hat Staatsanwalt Jochen Käbisch gestern eine lebenslange Freiheitsstrafe für Kxxxx Hxxxxxx aus Kall gefordert. Zudem beantragte er die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

AACHEN / HELLENTHAL. Wird sich die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aachen dem Antrag der Staatsanwaltschaft anschließen, bedeutet dies, dass der heute 33 Jahre alte Angeklagte keinesfalls nach frühestens 15 Jahren wieder auf freien Fuß kommt. Denn: "In den Fällen, wo die besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, erfolgt eine Entlassung regelmäßig erst weit jenseits einer Haftdauer von 20 Jahren", so Gerichtssprecher Holger Brantin.

Käbisch bezeichnete das Vorgehen des Angeklagten am 25. Januar in HeIlenthal als besonders gefühlskalt und brutal. Der vorbestrafte Hxxxxx habe dabei eine "kaum zu überbietende kriminelle Energie" an den Tag gelegt und gleich vier Mordmerkmale erfüllt: Er habe aus Habgier gehandelt und sei heimtückisch vorgegangen, außerdem habe er eine Straftat begangen zur Verdeckung und zur Ermöglichung einer anderen Tat.

Er habe an jenem Mittwochmittag zudem nicht nur das Leben der Seniorin beendet, sondern auch das ihres behinderten Sohnes zerstört. Dieser müsse seit der Tat zwangsernährt werden. "Er spricht nicht mehr und arbeitet nicht mehr. Er sitzt den ganzen Tag nur im Rollstuhl", so der Staatsanwalt. Dessen Nebenklagevertreter Meinrad Pauly konnte sich der Sicht der Staatsanwaltschaft nur anschließen. So sei der Nebenkläger zwar schon vor der Tat schwerstbehindert gewesen. "Aber durch die Tat ist die Behinderung erst richtungweisend und nachhaltig vertieft worden." Der Entzug der mütterlichen Liebe habe den Mann, für den die "Zuwendung eines liebenden Menschen lebenserhaltend" sei, an den Rand des Todes gebracht. Besonders schmerzhaft sei in dem Zusam-menhang zu sehen, dass der Angeklagte bislang keine Reue zum Ausdruck gebracht habe.

Verteidiger Peter-René Gülpen schlug eher leise Töne an und stellte allenfalls in Frage, ob denn die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden müsse. Die sei beim Zusammentreffen mehrerer Mordmerkmale (nach seiner Ansicht sind es nur drei) nicht zwingend auszusprechen und nicht als Regel zu sehen, sondern eher als Ausnahme. Beim Angeklagten bestehe aufgrund der HIV-Infizierung ohnehin eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er das Ende der Haftzeit nicht mehr erleben werde. So bat der Strafverteidiger aus Troisdorf das Gericht, es möge zu Gunsten des Angeklagten bei der Strafbemessung immerhin dessen Persönlichkeitsentwicklung in die Waagschale legen: Die vielen "ungünstigen und prägenden Momente" in dessen Kindheit und Jugend, in die er "bedrückende Einblicke" geboten habe. Die desolaten häuslichen Verhältnisse, das zerrüttete Elternhaus, die Heimaufenthalte, die Übergriffe und sexuellen Misshandlungen, die spätere Arbeits- und Obdachlosigkeit, zuletzt die HIV-Infizierung, die ihm jegliche Perspektive genommen habe. Bis ihm eine Bekannte ab dem 10. Januar ein Dach über den Kopf angeboten habe. "Hier fand er den Familienanschluss, den er sich so sehr gewünscht hat. Er fühlte sich integriert."

Als ihr Auto kaputt ging, habe Hxxxxxxx, der selbst nichts besaß, angeboten, Geld für eine Reparatur oder Neubeschaffung zu besorgen. Warum? "Wollte er sich dankbar zeigen? Wollte er sich die Gunst der Frau erhalten? Ich weiß es nicht!", sagte der Verteidiger.

Immerhin aber habe der Angeklagte nach der Tat in schonungsloser Offenheit ein umfassendes Geständnis abgelegt. Dieser sagte in seinem letzten Wort: "Es fällt mir schwer was zu sagen: Die Tat ist unverzeihlich und nicht wieder gutzumachen. Ich glaube auch nicht, dass der Sohn mir verzeihen kann." Nach einer Pause schloss er mit den Worten: "Ich kann nicht mehr."

Am Mittwoch um 11 Uhr will die Schwurgerichtskammer das Urteil verkünden.

Quelle:  Kölnische Rundschau (01.08.2006)

 


 

"An Gefühlskälte nicht zu überbieten"

 

VON FA HEINEN, 03.08.06

 

Der 33-jährige Knut Uwe H. hatte am 25. Januar die Hellenthaler Seniorin brutal getötet und beraubt.

 

Hellenthal/Aachen - Zu lebenslanger Haft wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge verurteilte die Schwurge-richtskammer beim Landgericht Aachen gestern den 33-jährigen Knut Uwe H. aus KalI. Zudem erkannte die Kammer eine besondere Schwere der Schuld. Das bedeutet nach Angaben des Gerichtssprechers Holger Brantin, dass der an Aids erkrankte Mann voraussichtlich deutlich über 20 Jahre in der Haft verbleiben muss. Gegen das Urteil ist eine Revision beim Bundesgerichtshof zulässig.

 

Der 33-Jährige hatte zuvor ein umfangreiches Geständnis abgelegt, so dass das Verfahren in nur vier Prozesstagen abgewickelt werden konnte. Dabei wurde deutlich, dass der Arbeitslose und ohne festen Wohnsitz lebende Mann die 80 Jahre alte Charlotte O. am 25. Januar dieses Jahres in ihrer Wohnung in HeIlenthal zunächst gewürgt und sie anschließend mit einem Küchenmesser erstochen hatte. Er hatte damals gehofft, die Ersparnisse seines Opfers rauben zu können. Allerdings fand er nur wenig mehr als 70 Euro und etwas Schmuck. Den wirklichen "Sparstrumpf' der 80-Jährigen fand er nicht: 8000 Euro hatte Charlotte O. in einer Pizza packung in der Tiefkühltruhe aufbewahrt.

 

                    

Während des Prozesses hatte der Angeklagte sein Bedauern über die Tat und Reue bekundet. Was die Kammer allerdings nicht wirklich beeindruckte oder gar zu einem milderen Urteil bewegen konnte. Warme Worte fand der Kammervorsitzende, Richter Gerd Nohl, als er in seiner Urteilsbegründung auf das Opfer der Bluttat zu sprechen kam. Charlotte O. sei mit nur 150 Zentimetern Größe zwar von kleiner Körperstatur gewesen: "Von ihrem Wesen aber war sie eine große Frau", sagte Nohl. Jahrzehntelang habe sie sich aufopferungsvoll um ihren schwerst-behinderten Sohn gekümmert. Auch deswegen sei die Tat des Angeklagten "in höchstem Maß verwerflich, ein Handeln auf niedrigster Stufe". Der Angeklagte habe an jenem 25. Januar eine "unvorstellbare Gefühlskälte und menschenverachtende Brutalität und Rohheit" an den Tag gelegt. Das sei umso verwerflicher, als er das Vertrauen der alten Frau missbrauchte. Vor dem Tötungsakt habe Knut Uwe H. keine Hemmschwelle gehabt. Daran ändere auch nichts sein umfassendes Geständnis und die Tatsache, dass er sich später für die Tat schämte.

              

Die Schwurgerichtskammer sei seit vielen Jahren mit Tötungsdelikten befasst. Aber der Ablauf dieser Tat in HeIlenthal sei "an Gefühlskälte nicht mehr zu überbieten". Der Täter habe heimtückisch gehandelt, als er das arglose Opfer anfiel. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die in ihrem Plädoyer bei der Tat vier Mordmerkmale vorwarf, sah die Kammer nur drei Merkmale als erfüllt an: Habgier, Heimtücke und das Motiv der "Ermöglichung einer Straftat".

 

Quelle:  Kölner Stadtanzeiger ( 03.08.2006)

 

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