Rechtsanwaltskanzlei

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Presse- und Medienberichte


 

 

 

 Geiselnahme vorgetäuscht - mit einer Gabel

VON CLAUDIA KÖNSGEN, 12.07.07 

Siegburg - Nach einer inszenierten Geiselnahme, die Marcel S. (Name geändert) gemeinsam mit seinem Zellengenossen die Flucht aus dem Siegburger Gefängnis ermöglichen sollte, sprach Alice Weismann, Richterin am Amtsgericht, den 22-jährigen Täter der Nötigung für schuldig. Wie vom Staatsanwalt gefordert, muss der Häftling, der erstmals nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde, eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu drei Euro (180 Euro) zahlen. Auch die Verteidigung plädierte für eine milde Geldstrafe, ging aber nur von einer versuchten Nötigung aus.  

Im Juni letzten Jahres hatte der Zellengenosse von Marcel S. die Idee, mit einer vorgetäuschten Geiselnahme aus der Siegburger Justizvollzugsanstalt (JVA) auszubrechen, so das Ergebnis der Ermittlungen. „Allein komme ich nicht auf solche Gedanken“, beteuerte der 22-Jährige vor Gericht. Der Zellenmitbewohner hatte Marcel S. angewiesen, ihm eine angespitzte Gabel an den Hals zu halten und ihn in den Schwitzkasten zu nehmen, während er als vermeintliches Opfer über Notruf einen Justizvollzugsbeamten verständigen würde. „Ich sollte dem Beamten sagen, dass ich meinen Mitbewohner umbringe, wenn er uns nicht die Türen aufschließt“, sagte Marcel S. der Richterin. Der Wachmann ließ sich täuschen und folgte den Forderungen der beiden Häftlinge, ihnen zwei Türen aufzuschließen. Doch schon im Erdgeschoss endete der Fluchtversuch, nachdem ein weiterer Wärter Marcel S. zum Aufgeben bewegen konnte.  

„Warum haben sie bei dem Fluchtversuch mitgemacht?“ wollte die Richterin vom Angeklagten wissen. Marcel S. sagte, der Mithäftling habe ihm gedroht. Aus Angst davor, wieder „Schläge zu bekommen und abgezogen zu werden“ habe er keinen anderen Ausweg gesehen.  Diese vom Angeklagten geschilderte „Ausweglosigkeit, sich dem Tatplan zu entziehen“ wertete die Richterin als mildernden Umstand. Bei der Urteilsverkündung stellte sie fest, dass der Initiator des dilettantischen Fluchtversuchs eindeutig der Zellenmitbewohner war. Marcel S. sei nur Mittäter gewesen. Darüber waren sich auch Oberstaatsanwalt Joachim Leinhos und Verteidiger Peter-René Gülpen einig.

Die letzten neun Monate seiner dreijährigen Haftstrafe, die Marcel S. wegen Körperverletzung, Diebstahls und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verbüßt, muss er nicht am Tatort verbringen. Seit der vorgetäuschten Geiselnahme sitzt er in der JVA Geldern ein.

 

Quelle:  Kölner Stadtanzeiger (12.07.2007)

 

 

Geiselnahme vorgetäuscht
Prozess um Ausbruchsversuch aus der JVA Siegburg

Von DIETMAR BICKMANN

Bonn/Siegburg – Der Skandal-Knast in Siegburg. Hier folterten drei Jugendliche den Mitgefangenen Hermann Heibach (†20) zu Tode.

Jetzt kommt raus: Wochen vor dem Foltermord haben zwei andere Häftlinge einen Ausbruchsversuch unternommen. Ein 22-Jähriger steht Donnerstag wegen Gefangenenbefreiung vor Gericht.

Jugendknast Siegburg, 4. Juni 2006: Zwei Heranwachsende setzen ihren Ausbruchsplan in die Tat um. Gemeinsam belegen die heute 22 und 20 Jahre alten Männer eine Zelle. Beide haben eine deftige Jugendstrafe abzusitzen. Ihr Plan: Mit einer vorgetäuschten Geiselnahme wollen sie die Freiheit erzwingen.

18.05 Uhr: Der 20-Jährige drückt den Notknopf, stammelt in die Sprechanlage: „Ich werde umgebracht. Kommen Sie sofort.“ Als die Beamten die Zellentür öffnen, stehen die Jungs mitten im Raum. Der 22-Jährige hält dem Mitgefangenen eine verbogene Gabel an den Hals.

Er fordert freies Geleit bis vors Gefängnistor. Andernfalls würde er seinem Opfer die Kehle durchschneiden. Bis ins Erdgeschoss kommen die Jugendlichen auch. Wachtmeister schließen ihnen mehrere Türen auf. Doch kurz vorm Ziel ist der Spuk vorbei. Beamte können den Ausbrecher überwältigen. Schnell kommt raus: Die Geiselnahme war abgesprochen.

Der 20-Jährige ist vom Amtsgericht Iserlohn wegen des Ausbruchsversuchs bereits verurteilt worden. Jetzt ist der vermeintliche Geiselnehmer dran. Wegen Gefangenenbefreiung sitzt der 22-Jährige im Juli vorm Jugendrichter.

Der junge Mann saß wegen 336 Diebstählen im Siegburger Knast. Sein Verteidiger Peter-René Gülpen (Troisdorf): „Die Zustände im Siegburger Gefängnis waren einfach schlimm. Sie haben es nicht mehr ausgehalten. Eine reine Verzweiflungstat.“

Fünf Monate nach dem Ausbruchsversuch wird Hermann Heibach in einer Zelle ermordet. Ein Aufschrei geht durch die Republik. Mit Konsequenzen: In Wuppertal soll ein neuer Jugendknast gebaut werden.

In Siegburg soll der Jugendstrafvollzug abgeschafft werden. Die drei Mörder von Hermann Heibach müssen sich im August vorm Bonner Landgericht für ihre Tat verantworten. Bei Jugendstrafrecht drohen ihnen maximal zehn Jahre Knast.

Quelle:  Express-Bonn, 12.07.2007

 

 

 

 Presse- und Medien  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                 

 
 
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